KATOLSKI    

POSOŁ

Časopis katolskich Serbow
Załoženy 1863

Wudawa Towarstwo

Cyrila a Metoda z.t.

Póstowe naměsto 2
02625 Budyšin

 

Das Millenniumsdenkmal

Denkmal der heiligen Cyrill und Methodius

 

 Fota: Rafael Ledźbor  

Cyrill-Methodius-Denkmal bei Schmochtitz   

 
Foto: Rafael Ledźbor  

Von einer sanften Anhöhe nordwestlich von Schmochtitz bei Bautzen breitet am Schnittpunkt alter Handelswege eine Figurengruppe segnend ihre Hände aus: Cyrill und Methodius, die heiligen Slawenapostel aus Byzanz und Mitpatrone Europas. Errichtet wurde das Denkmal im Millenniumsjahr 2000 zum Gedenken an die Menschwerdung Gottes durch die Geburt Jesu Christi vor zweitausend Jahren in Betlehem in Palästina.

 

 
 

Denkmal der beiden Slawenapostel; links ist der Mönch Cyrill dargestellt, rechts Bischof Methodius

 

Foto: Rafael Ledźbor

 

 

Wie es zum Denkmal kam

Sollte zum Jahrtausendjubiläum wie anderswo auch im Sorbenland, dem „Land der 1000 Kreuze“, ein weiteres und möglichst monumentales Kreuz noch hinzugefügt werden? Der im Sorbischen beheimatete Cyrill-Methodius-Verein e.V. hatte eine andere Idee. Vor gut 100 Jahren war in Storcha auf Betreiben desselben, 1862 gegründeten Vereins, bereits schon einmal als „Werk aller katholischen Sorben“ eine der ersten Herz-Jesu-Kirchen Deutschlands errichtet worden. Sollte nach der politischen Wende von 1989 und bereits aufkeimender Skepsis in mancherlei Hinsicht nicht dennoch etwas Ähnliches möglich sein, sozusagen als Ausdruck von Glaube und Hoffnung? Und tatsächlich: Binnen Jahresfrist wurde die Idee des Millenniumsdenkmals vom ersten Gedanken bis zur feierlichen Einweihung umgesetzt. Es war ein wirklich gemeinsames Werk von Vielen. Private Initiativen wurden aufgegriffen und fachlich umgesetzt. Skeptische Einwände und Befürchtungen wurden von wohlwollender Großherzigkeit auf kirchlicher wie weltlicher Seite übertönt. Fördergelder wurden nicht mal angedacht, alles musste schnell geschehen. Kollekten und private Schenkungen begründeten den Grundstock und mancherlei Darlehen wurden im Zuge des  zügigen Baugeschehens in Schenkungen umgewandelt. Ein gewisser Enthusiasmus hatte sich der Menschen unterschiedlicher Glaubensrichtung, Nationalität und sozialer Stellung bemächtigt. Dies fand auch seinen Niederschlag bei der feierlichen Einweihung des Denkmals durch Bischof Joachim Reinelt am 26. November, dem Christkönigsfest des Jubiläumsjahres 2000, woran rund 2000 Menschen teilnahmen.

 

Theologischer Hintergrund

Den künstlerischen Entwurf erstellte der polnische Kunstbildhauer Dobrosław Bagiński aus Lublin. Im Zentrum der 23 Meter breiten Anlage ruht bedächtig ein massives Steinkreuz aus lausitzer Granit, kein Monolith, sondern zusammengesetzt aus vier mächtigen Teilen. Die zwei seitlichen Teile versinnbildlichen Ost und West, wie auch „Europa wieder mit beiden Lungenflügeln atmen soll“ (Johannes Paul II.). Der untere Teil ist verbunden mit dem Fundament in der Erde, der obere kann als Altarfläche dienen. Das Ganze weist aber auf Christus hin: „Seht her, ich lege in Zion einen auserwählten Stein, einen Eckstein, den ich in Ehren halte; wer an ihn glaubt, der geht nicht zugrunde.“ (1 Petr 2,6)

 

Aufsprießende Steine und Kreuze

Die Glaubensboten, die Apostel, sind mit Christus verbunden und überbringen uns die Botschaft des Erlösers, seine Lehre und seinen Segen. Aus dem Kreuz Christi entspringt mittels der überbrachten Botschaft unser Glaube. Dies wird versinnbildlicht durch die verstreut aufsprießenden Steine und Kreuze auf dem weiten Vorplatz. Je entfernter sie sich befinden, um so kleiner sind sie, je näher an Christus, um so größer und deutlicher fallen sie aus. Aber alle sind sie unfertig, noch unsicher und bedürfen der Ausrichtung durch Christus, wie wir auch.

Die aufsprießenden Steine werde auch Cyrillika genannt.

Foto: Rafael Ledźbor

 

Vielfältig genutzt

Der in der Vorbereitungsphase angereiste Künstler war fasziniert von der Lausitz, in der er sich umgesehen hatte. Begeistert hat ihn der ausgewählte Standort mit der weit ausladenden Sicht rundherum. Für die Wahl des Ortes sprach nicht nur das deutsch-sorbische und katholisch-evangelische Siedlungsgebiet, sondern auch das nach der politischen Wende entstandene und dem Bistumspatron Sankt Benno geweihte diözesane Bildungshaus im nahe gelegenen Schmochtitz. Der 2003 ins Leben gerufene Ökumenische Pilgerweg führt hier auf der mittelalterlichen Handelsstraße Via Regia ebenfalls vorbei. So halten hier Radwanderer, Straßenarbeiter, Pilger, Ausspannende und Suchende gleichermaßen ihre Einkehr. Alljährlich werden hier kleinere und größere Andachten und Gebetsgottesdienste gehalten. Das Kreuz des Weltjugendtreffens wurde hier übergeben und ein andermal werden hier wieder Fahrzeuge der Jugend gesegnet. Nur die Osterreiter am Ostersonntag ziehen am Millenniumsdenkmal stolz vorbei, lassen sich aber von den Aposteln in ihrem Sendungsbewusstsein gern bestärken.

Übergabe des Weltjugendtagskreuzes am Cyrill-Methodius-Denkmal

Foto: Rafael Ledźbor

 

Warum gerade Cyrill und Methodius, die großen Unbekannten 

Mit Sicherheit sind die beiden Brüder aus Saloniki, Cyrill und Methodius, nicht bis in die lausitzer Gefilde vorgedrungen, obwohl die Lausitz eine zeitlang zum Größmährischen Reich dazugehörte. Auswirkungen hat aber die Slawenmission von 863 bis 885 über Prag dennoch für die Lausitz bewirkt, zumindest in den nachfolgenden Jahrhunderten. Das Verdienst der Slawenapostel liegt in der Betonung der slawischen Muttersprache. Gegen alle Widerstände und mit Einverständnis des Papstes haben sie das Altslawische in die Liturgie eingeführt und große Teile der Bibel ins Slawische übersetzt. In sorbischen Pfarrhäusern aufgefundene vorreformatorische tschechische Bibelübersetzungen sind ein Hinweis dafür, dass wohl manche Prediger eine slawischen Bibelübersetzung der lateinischen vorgezogen haben, um den Gläubigen das Wort Gottes in verständlicher Weise zu verkündigen. Das Hauptverdienst an der Christianisierung der Sorben fällt aber nach wie vor dem heiligen Bischof Benno von Meißen zu, der über 40 Jahre von1066 bis 1106 segensreich von Meißen aus gewirkt hat. Denn nicht umsonst wird er bis heute „Apostel der Sorben“ genannt.
Das Millenniumsdenkmal mit der Figurengruppe der heiligen Cyrill und Methodius wurde aus Dankbarkeit für den christlichen Glauben errichtet. Möge es auf seine Weise zu einem einigen Europa in Frieden und Freiheit beitragen.
Pfarrer Gerhard Werner

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